Nafs
Nafs ist ein interessantes Wort und steht mit 'Nafas' in Beziehung und das heißt Atem. Daraus können wir entnehmen, dass es die vitale Seele ist, die vom Atemstrom abstammt. Aber weil unser Atem wechselnden Bedingungen, Umständen und Eindrücken in seiner Inkarnation und dem Laufe des Lebens unterliegt, begrenzt auch unsere Seele ihren Zustand und wird schließlich egoistisch. Die Sufis haben verschiedene Stufen der Seele bei ihrer Erfahrung des Egoismus beschrieben. Es werden drei hauptsächliche Zustände der Nafs von den klassichen Sufis und von Murshid beschrieben.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
Nafs al‑Ammara
die gebieterische Seele
Das ist das impulsive, herrschende, selbstzentrierte Ego. Es weiß genau was es will und verfolgt rücksichtslos seine Wünsche. Es hat keinerlei Respekt und kein Bewusstsein der Bedürfnisse der anderen. Dies ist wohl die Beschreibung der Nafs al Ammara in seiner übelsten Form. Aber wie alle Nafs, hat sie auch ihre ausgleichenden Merkmale. Es liegt etwas Gesundes im Selbsterhaltungstrieb, dem Überleben, in der Befriedigung unserer Bedürfnisse und der Erfüllung unserer Wünsche. Dies ist eine notwendige Dimension des menschlichen Lebens. Wenn es jedoch aus dem Gleichgewicht gerät, ist das ein äußerst destruktiver und tatsächlich unerfreulicher Aspekt im menschlichen Dasein. Die Wurzeln liegen scheinbar in dem evolutionären Impuls, dass der Fitteste überlebt, der vielleicht in unseren Genen zu finden ist, dem alten Impuls durch Selbstbehauptung und Dominieren zu überleben, dem Instinkt zu Fliehen oder zu Kämpfen. In der menschlichen Kultur wird dieser Impuls verfeinert und sein kultureller Ausdruck ist eine Art von Epikurertum, einer Freude, alle Gelüste zu befriedigen.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan
Zum Wesen des menschlichen Ich gehören zwei Seiten; die eine Seite bemüht sich um die natürlichen Bedürfnisse und kann als das animalische Ego bezeichnet werden. Aber die andere Seite offenbart sich, wenn das Ego aus keinem anderen Grund als Intoleranz in Aufregung gerät. Dieses Empfinden ist eine Art von Verblendung oder Rausch und entsteht aus einem Übermaß an Energie, dass ungehemmt der Seele entströmt und sozusagen das Licht der Seele verhüllt, so wie der Rauch das Licht einer Flamme verdecken kann. Damit der göttliche Geist unser Leben leiten kann, muss die Seele von allem Rauch gereinigt werden, bis nur die Flamme übrig bleibt, um unser Leben zu erleuchten...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 3. The Training of the Ego: The Two Sides of the Human Ego
...Es gehört zum Wesen des Verlangens, das nichts es für immer befriedigt, und oft kostet das Vergnügen eines Augenblicks mehr, als es wert ist. Wenn man die Augen davor verschließt, ergreift man das momentane Vergnügen, ohne zu bedenken, was nachher kommen wird. Das Ego hat die Neigung, immer mehr von dem zu verlangen, was ihm gefällt, unbekümmert um Recht und Billigkeit und auch unbekümmert um die Nachwirkungen. So mag ein Mensch mehr und mehr essen, bis er davon krank wird. Jede Art von Befriedigung der Gelüste und des Appetits hinterlässt die Neigung, noch mehr davon haben zu wollen. Ferner gibt es ein Verlangen nach Abwechslung in den Erlebnissen, und wenn man ihm nachgibt, nimmt es kein Ende. Das Übermaß des Verlangens der Gelüste und Leidenschaften erzeugt im Menschen immer einen Rausch, der sich dermaßen steigern kann, dass die begrenzten Mittel, über die er verfügt, zur Befriedigung seiner Wünsche nicht mehr ausreichen. Dann ist es nicht verwunderlich, dass er mehr als sein Eigentum verbraucht und nach dem ausschaut, was anderen Leuten gehört...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 4. The Training of the Ego: What the Ego Needs and What It Does Not Need
...Der Verstand liefert immer und für alles eine Entschuldigung. Aber den Konsequenzen kann man nicht entgehen, und die Reue, die folgt, beweist, dass ein Fehler begangen wurde...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 6. The Training of the Ego: The Ego Is Trained As a Horse
...Selbstmitleid ist die größte Armut. Es überwältigt den Menschen und der Mensch sieht nichts als die eigenen Leiden und Schmerzen. Er hat den Eindruck, der unglücklichste Mensch auf der Welt zu sein ‑ mehr als alle anderen in der Welt...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume VIII ‑ The Art of Being,
The Privilege of Being Human, Chapter XL, The Privilege of Being Human
...Das Ich will seiner Natur entsprechend allein existieren und kann anderen keine Existenzberechtigung gewähren. Indessen liegt die Ursache hierzu noch tiefer, sie gehört zu den tiefsten Fragen der Metaphysik, jedoch kann der moralische Aspekt davon verstanden werden...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 3. The Development of Personality, What Is the Ego?
Nafs al‑Lawwama
die beschuldigende Seele
Das ist der Aspekt der Nafs, die sich selbst kritisiert. Es ist das in uns, was uns einengt, zurückhält, uns zögern lässt, uns an die anderen denken und die Konsequenzen unseres Handeln überlegen lässt. Die Qualität des Reflektierens und der Rücksichtnahme ist darin enthalten; es kann aber auch eine lähmende Angst und ein ‚Nichtangenommensein‘ darin enthalten sein. Ein Kind verfolgt zuerst seine Wünsche auf ganz natürlich Art. Um es zu schützen, müssen Eltern dann aber Grenzen setzen und es davon abhalten, Dinge zu tun, die ihm oder anderen Schaden zufügen könnten. Nach einiger Zeit wird die Stimme, der begrenzenden Autorität die nein sagt, verinnerlicht ‑ sodass es ab dann in seinem Inneren diese Stimme der Autorität, die Stimme der Begrenzung gibt. Wir alle gehen mit unseren verinnerlichten Stimmen der massregelnden Eltern und der begrenzenden Gesellschaft durchs Leben, die Teil unseres eigenen Wesens geworden sind. Dies ist auch nötig, um auf harmonische Weise in der Welt zu leben. Manchmal ist diese verinnerlichte Autorität jedoch so stark geworden, dass jede spontane Neigung oder jede Bewegung auf einen höheren Sinn hin, einer harschen, dominierenden und kritischen Stimme ausgesetzt ist, einer Stimme, die niemals zufrieden ist, mit der man niemals Frieden schließen kann, diesem Teil in uns, der uns das Gefühl gibt, niemals gut genug zu sein. In der Natur hat offensichtlich diese Nafs al‑Lawwama ihren Ursprung ebenfalls im Überleben des Fittesten, dem Gegenpol des Überleben des Stärksten, nämlich im Überlebenstrieb durch Symbiose, dem Kooperieren der Spezies, wodurch sie Lebensräume und Ökosysteme schaffen, von denen alle Arten profitieren. In der menschlichen Kultur sind der bemerkenswerteste Ausdruck dieses Prinzips die Stoiker mit ihrer Philosophie der Selbstdisziplin. Diese Aspekte des Selbst sind auch in der modernen Psychologie zu finden. Freud hat z.B. ein technische Terminologie gegeben, die fast exakt den klassischen Sufi‑Konzepten entsprechen. Das gebieterische Selbst ist das Es, das beschuldigende Selbst ist das Über‑Ich und Freud hat noch einen dritten Begriff, das Ich selbst.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan
...Jede schöne Handlung oder Rede, jeder schöne Gedanke ist durch das Auslöschen des Selbst oder des Egos entstanden. So bedingt z.B. jede Höflichkeitsbezeugung ein Zügeln des Ichs. Schönheit der Rede beruht immer auf eben diesem Zurücknehmen des Ichs, und ebenso verhält es sich mit den Gedanken. Sobald ein Ich sich unbeherrscht äußert, verletzt es das Ich eines andern...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 2. The Development of Personality, The Jarring Effect of the Ego of Another
...Zweifellos ist es für viele Menschen schwierig, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Wenn wir aber dem eigenen Ich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und es als etwas erkennen, das bereit ist, uns den Krieg zu erklären, und wir dann die Willenskraft wie ein gezogenes Schwert handhaben, schützen wir uns gegen unseren größten Feind ‑ unser eigenes Ich. Es wird eine Zeit im Leben kommen, in der wir sagen können. Mein ärgster Feind war in mir selbst.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 5. The Training of the Ego: Constant Battle With the Ego
Der Mensch hat das Verlangen, Gutes zu tun und Böses zu vermeiden, weil er dadurch seine Eitelkeit nährt...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 8. The Training of the Ego: Vanity
Die erste Lektion, die das Ich zu lernen hat, um sich zur humanen Stufe zu entwickeln, ist Stolz in der Form der Selbstachtung. Da der Mensch die Neigung hat, gute Kleidung und schönen Schmuck zu tragen, um in den Augen anderer so zu erscheinen, wie er es als schön betrachtet, so muss die gleiche Neigung bei der Gestaltung seiner Persönlichkeit spüren, indem er sie mit jedem handeln und Verhalten in der Weise schmückt, die er als gut und schön betrachtet.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 10. The Training of the Ego: Three Stages Through Which the Ego Develops
Nafs al‑Mutmainna
die ruhende Seele
Bei den Sufis wird dieses integrierte Ich die Nafs Nafs al‑Mutmainna genannt. Dies kann als die zur Ruhe gekommene Seele übersetzt werden. Der Ausdruck hat seinen Ursprung in einem Vers des Koran "O Seele im ruhenden Zustand, kehre zurück zu Deinem Herrn, zufriedenstellend und zufrieden, dann tritt ein in den Kreis meiner Anbeter, tritt ein in meinen Garten."
Ein wunderbare Ausdruck, um die Qualität der Nafs al‑Mutmainna zu verstehen. Zufrieden in sich selbst kann es anderen Zufriedenheit anbieten; es ist das in uns, was zu seiner Quelle zurückkehrt und seinen Platz unter denen einnimmt, die dem Einen hingegeben sind; es nimmt seinen Platz 'im Garten' ein. Wann immer man sich im Garten befindet, ist man notwendigerweise im Zustand der Nafs al‑Mutmainna. Das Nafs al‑Mutmainna ist bereits die Seele, das Selbst, das im Herzen zentriert ist. Scheich Shaykh Ruzbihan Baqli Shirazi sagte: “Wenn das gebieterische Selbst vom Schock überwältigender Liebe aufgerüttelt wird, wird es zur ‚Seele in Ruhe transformiert. Und er fügt hinzu, dass von der Seele im Zustand der Ruhe gesagt wird, dass sie im Herzen sei.”
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
...Leben ist Bewegung, und es liegt in der Natur der Bewegung, irgendwo anzustoßen. Es bedarf nicht der Kraft, um den störenden Einflüssen des Lebens standzuhalten. Kein Wall aus Stein oder Eisen kann für immer den Wellen des Ozeans standhalten, aber ein Holzstück, klein und leicht, kann mit den Wellen steigen und fallen und bleibt doch unbeschädigt und sicher obenauf. Je leichter und kleiner das menschliche Ich wird, desto größer wird die Kraft im Ertragen. Zwei ausgeprägte Ich schlagen aufeinander ein. Das kleine, das leichte Ich gleitet just darüber hinweg, wenn die mächtige Welle eines starken Ich daherkommt und gegen einen stärkeren Wall prallt, der es zurückwirft.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 4. The Training of the Ego: Training Is As Well a Science As an Art
...Die Schulung des Ichs bedeutet, im Leben weise zu sein du zu erkennen, was wir uns wünschen und warum wir es wünschen und welche Folgen daraus entstehen, was wir uns leisten können und was nicht. Es bedeutet auch, ein Verlangen vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus zu begreifen und zu wissen, ob es recht ist...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 4. The Training of the Ego: What the Ego Needs and What It Does Not Need
...Selbstbewusstheit legt sich wie eine Kette um die Gestalt und alle Glieder des Körpers, und in der sich selbstbewussten Person ist nichts von jener Weichheit, die wie ein Fluidum durch jede Lebensäußerung fließen sollte. Das einzige Heilmittel besteht darin, sich selbst zu vergessen und sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine Arbeit und jede unternommene Beschäftigung zu richten.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 7. The Training of the Ego: Self‑Consciousness
...Die beste Art vorzugehen besteht darin, das Leben seinen natürlichen Lauf nehmen zu lassen und sich dabei gleichzeitig das höchste Ideal vor Augen zu halten. Dies schafft den Ausgleich und macht den Weg leicht...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 8. The Training of the Ego: Humility
...Es gibt zwei wesentliche Pflichten für den Menschen, der in Liebe und Weisheit leben will: die Liebe in unserem Wesen ständig zunehmen und sich ausbreiten lassen und den Willen so zu stärken. dass das Herz nicht so leicht brechen möge. Ausgeglichenheit ist das Ideal im Leben. Der Mensch muss feinfühlig und doch stark sein, liebevoll und doch kraftvoll.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 9. The Training of the Ego: Forgiveness
...Neben allen anderen Nachteilen, die die Selbst‑Bewusstheit mit sich bringt, gibt es darüber hinaus einen, der den Menschen davon abhält zu erkennen, dass der Gedanke an das Selbst ihn von Gott fernhält. Im menschlichen Herzen ist nur für einen Raum, entweder für sich selbst oder für Gott.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 8. The Training of the Ego: Vanity
Und dann gibt es diesen Kern in uns, in dem wir tatsächlich ruhen, im Herzen zentriert, ohne Furcht, bereit allem zu begegnen, was das Leben uns bringt; zufrieden und zufriedenstellend, zu unserer Quelle zurückkehrend, präsent im Inneren des Gartens.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
Nafs ist ein interessantes Wort und steht mit 'Nafas' in Beziehung und das heißt Atem. Daraus können wir entnehmen, dass es die vitale Seele ist, die vom Atemstrom abstammt. Aber weil unser Atem wechselnden Bedingungen, Umständen und Eindrücken in seiner Inkarnation und dem Laufe des Lebens unterliegt, begrenzt auch unsere Seele ihren Zustand und wird schließlich egoistisch. Die Sufis haben verschiedene Stufen der Seele bei ihrer Erfahrung des Egoismus beschrieben. Es werden drei hauptsächliche Zustände der Nafs von den klassichen Sufis und von Murshid beschrieben.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
Nafs al‑Ammara
die gebieterische Seele
Das ist das impulsive, herrschende, selbstzentrierte Ego. Es weiß genau was es will und verfolgt rücksichtslos seine Wünsche. Es hat keinerlei Respekt und kein Bewusstsein der Bedürfnisse der anderen. Dies ist wohl die Beschreibung der Nafs al Ammara in seiner übelsten Form. Aber wie alle Nafs, hat sie auch ihre ausgleichenden Merkmale. Es liegt etwas Gesundes im Selbsterhaltungstrieb, dem Überleben, in der Befriedigung unserer Bedürfnisse und der Erfüllung unserer Wünsche. Dies ist eine notwendige Dimension des menschlichen Lebens. Wenn es jedoch aus dem Gleichgewicht gerät, ist das ein äußerst destruktiver und tatsächlich unerfreulicher Aspekt im menschlichen Dasein. Die Wurzeln liegen scheinbar in dem evolutionären Impuls, dass der Fitteste überlebt, der vielleicht in unseren Genen zu finden ist, dem alten Impuls durch Selbstbehauptung und Dominieren zu überleben, dem Instinkt zu Fliehen oder zu Kämpfen. In der menschlichen Kultur wird dieser Impuls verfeinert und sein kultureller Ausdruck ist eine Art von Epikurertum, einer Freude, alle Gelüste zu befriedigen.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan
Zum Wesen des menschlichen Ich gehören zwei Seiten; die eine Seite bemüht sich um die natürlichen Bedürfnisse und kann als das animalische Ego bezeichnet werden. Aber die andere Seite offenbart sich, wenn das Ego aus keinem anderen Grund als Intoleranz in Aufregung gerät. Dieses Empfinden ist eine Art von Verblendung oder Rausch und entsteht aus einem Übermaß an Energie, dass ungehemmt der Seele entströmt und sozusagen das Licht der Seele verhüllt, so wie der Rauch das Licht einer Flamme verdecken kann. Damit der göttliche Geist unser Leben leiten kann, muss die Seele von allem Rauch gereinigt werden, bis nur die Flamme übrig bleibt, um unser Leben zu erleuchten...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 3. The Training of the Ego: The Two Sides of the Human Ego
...Es gehört zum Wesen des Verlangens, das nichts es für immer befriedigt, und oft kostet das Vergnügen eines Augenblicks mehr, als es wert ist. Wenn man die Augen davor verschließt, ergreift man das momentane Vergnügen, ohne zu bedenken, was nachher kommen wird. Das Ego hat die Neigung, immer mehr von dem zu verlangen, was ihm gefällt, unbekümmert um Recht und Billigkeit und auch unbekümmert um die Nachwirkungen. So mag ein Mensch mehr und mehr essen, bis er davon krank wird. Jede Art von Befriedigung der Gelüste und des Appetits hinterlässt die Neigung, noch mehr davon haben zu wollen. Ferner gibt es ein Verlangen nach Abwechslung in den Erlebnissen, und wenn man ihm nachgibt, nimmt es kein Ende. Das Übermaß des Verlangens der Gelüste und Leidenschaften erzeugt im Menschen immer einen Rausch, der sich dermaßen steigern kann, dass die begrenzten Mittel, über die er verfügt, zur Befriedigung seiner Wünsche nicht mehr ausreichen. Dann ist es nicht verwunderlich, dass er mehr als sein Eigentum verbraucht und nach dem ausschaut, was anderen Leuten gehört...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 4. The Training of the Ego: What the Ego Needs and What It Does Not Need
...Der Verstand liefert immer und für alles eine Entschuldigung. Aber den Konsequenzen kann man nicht entgehen, und die Reue, die folgt, beweist, dass ein Fehler begangen wurde...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 6. The Training of the Ego: The Ego Is Trained As a Horse
...Selbstmitleid ist die größte Armut. Es überwältigt den Menschen und der Mensch sieht nichts als die eigenen Leiden und Schmerzen. Er hat den Eindruck, der unglücklichste Mensch auf der Welt zu sein ‑ mehr als alle anderen in der Welt...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume VIII ‑ The Art of Being,
The Privilege of Being Human, Chapter XL, The Privilege of Being Human
...Das Ich will seiner Natur entsprechend allein existieren und kann anderen keine Existenzberechtigung gewähren. Indessen liegt die Ursache hierzu noch tiefer, sie gehört zu den tiefsten Fragen der Metaphysik, jedoch kann der moralische Aspekt davon verstanden werden...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 3. The Development of Personality, What Is the Ego?
Nafs al‑Lawwama
die beschuldigende Seele
Das ist der Aspekt der Nafs, die sich selbst kritisiert. Es ist das in uns, was uns einengt, zurückhält, uns zögern lässt, uns an die anderen denken und die Konsequenzen unseres Handeln überlegen lässt. Die Qualität des Reflektierens und der Rücksichtnahme ist darin enthalten; es kann aber auch eine lähmende Angst und ein ‚Nichtangenommensein‘ darin enthalten sein. Ein Kind verfolgt zuerst seine Wünsche auf ganz natürlich Art. Um es zu schützen, müssen Eltern dann aber Grenzen setzen und es davon abhalten, Dinge zu tun, die ihm oder anderen Schaden zufügen könnten. Nach einiger Zeit wird die Stimme, der begrenzenden Autorität die nein sagt, verinnerlicht ‑ sodass es ab dann in seinem Inneren diese Stimme der Autorität, die Stimme der Begrenzung gibt. Wir alle gehen mit unseren verinnerlichten Stimmen der massregelnden Eltern und der begrenzenden Gesellschaft durchs Leben, die Teil unseres eigenen Wesens geworden sind. Dies ist auch nötig, um auf harmonische Weise in der Welt zu leben. Manchmal ist diese verinnerlichte Autorität jedoch so stark geworden, dass jede spontane Neigung oder jede Bewegung auf einen höheren Sinn hin, einer harschen, dominierenden und kritischen Stimme ausgesetzt ist, einer Stimme, die niemals zufrieden ist, mit der man niemals Frieden schließen kann, diesem Teil in uns, der uns das Gefühl gibt, niemals gut genug zu sein. In der Natur hat offensichtlich diese Nafs al‑Lawwama ihren Ursprung ebenfalls im Überleben des Fittesten, dem Gegenpol des Überleben des Stärksten, nämlich im Überlebenstrieb durch Symbiose, dem Kooperieren der Spezies, wodurch sie Lebensräume und Ökosysteme schaffen, von denen alle Arten profitieren. In der menschlichen Kultur sind der bemerkenswerteste Ausdruck dieses Prinzips die Stoiker mit ihrer Philosophie der Selbstdisziplin. Diese Aspekte des Selbst sind auch in der modernen Psychologie zu finden. Freud hat z.B. ein technische Terminologie gegeben, die fast exakt den klassischen Sufi‑Konzepten entsprechen. Das gebieterische Selbst ist das Es, das beschuldigende Selbst ist das Über‑Ich und Freud hat noch einen dritten Begriff, das Ich selbst.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan
...Jede schöne Handlung oder Rede, jeder schöne Gedanke ist durch das Auslöschen des Selbst oder des Egos entstanden. So bedingt z.B. jede Höflichkeitsbezeugung ein Zügeln des Ichs. Schönheit der Rede beruht immer auf eben diesem Zurücknehmen des Ichs, und ebenso verhält es sich mit den Gedanken. Sobald ein Ich sich unbeherrscht äußert, verletzt es das Ich eines andern...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 2. The Development of Personality, The Jarring Effect of the Ego of Another
...Zweifellos ist es für viele Menschen schwierig, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Wenn wir aber dem eigenen Ich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und es als etwas erkennen, das bereit ist, uns den Krieg zu erklären, und wir dann die Willenskraft wie ein gezogenes Schwert handhaben, schützen wir uns gegen unseren größten Feind ‑ unser eigenes Ich. Es wird eine Zeit im Leben kommen, in der wir sagen können. Mein ärgster Feind war in mir selbst.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 5. The Training of the Ego: Constant Battle With the Ego
Der Mensch hat das Verlangen, Gutes zu tun und Böses zu vermeiden, weil er dadurch seine Eitelkeit nährt...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 8. The Training of the Ego: Vanity
Die erste Lektion, die das Ich zu lernen hat, um sich zur humanen Stufe zu entwickeln, ist Stolz in der Form der Selbstachtung. Da der Mensch die Neigung hat, gute Kleidung und schönen Schmuck zu tragen, um in den Augen anderer so zu erscheinen, wie er es als schön betrachtet, so muss die gleiche Neigung bei der Gestaltung seiner Persönlichkeit spüren, indem er sie mit jedem handeln und Verhalten in der Weise schmückt, die er als gut und schön betrachtet.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 10. The Training of the Ego: Three Stages Through Which the Ego Develops
Nafs al‑Mutmainna
die ruhende Seele
Bei den Sufis wird dieses integrierte Ich die Nafs Nafs al‑Mutmainna genannt. Dies kann als die zur Ruhe gekommene Seele übersetzt werden. Der Ausdruck hat seinen Ursprung in einem Vers des Koran "O Seele im ruhenden Zustand, kehre zurück zu Deinem Herrn, zufriedenstellend und zufrieden, dann tritt ein in den Kreis meiner Anbeter, tritt ein in meinen Garten."
Ein wunderbare Ausdruck, um die Qualität der Nafs al‑Mutmainna zu verstehen. Zufrieden in sich selbst kann es anderen Zufriedenheit anbieten; es ist das in uns, was zu seiner Quelle zurückkehrt und seinen Platz unter denen einnimmt, die dem Einen hingegeben sind; es nimmt seinen Platz 'im Garten' ein. Wann immer man sich im Garten befindet, ist man notwendigerweise im Zustand der Nafs al‑Mutmainna. Das Nafs al‑Mutmainna ist bereits die Seele, das Selbst, das im Herzen zentriert ist. Scheich Shaykh Ruzbihan Baqli Shirazi sagte: “Wenn das gebieterische Selbst vom Schock überwältigender Liebe aufgerüttelt wird, wird es zur ‚Seele in Ruhe transformiert. Und er fügt hinzu, dass von der Seele im Zustand der Ruhe gesagt wird, dass sie im Herzen sei.”
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
...Leben ist Bewegung, und es liegt in der Natur der Bewegung, irgendwo anzustoßen. Es bedarf nicht der Kraft, um den störenden Einflüssen des Lebens standzuhalten. Kein Wall aus Stein oder Eisen kann für immer den Wellen des Ozeans standhalten, aber ein Holzstück, klein und leicht, kann mit den Wellen steigen und fallen und bleibt doch unbeschädigt und sicher obenauf. Je leichter und kleiner das menschliche Ich wird, desto größer wird die Kraft im Ertragen. Zwei ausgeprägte Ich schlagen aufeinander ein. Das kleine, das leichte Ich gleitet just darüber hinweg, wenn die mächtige Welle eines starken Ich daherkommt und gegen einen stärkeren Wall prallt, der es zurückwirft.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 4. The Training of the Ego: Training Is As Well a Science As an Art
...Die Schulung des Ichs bedeutet, im Leben weise zu sein du zu erkennen, was wir uns wünschen und warum wir es wünschen und welche Folgen daraus entstehen, was wir uns leisten können und was nicht. Es bedeutet auch, ein Verlangen vom Standpunkt der Gerechtigkeit aus zu begreifen und zu wissen, ob es recht ist...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 4. The Training of the Ego: What the Ego Needs and What It Does Not Need
...Selbstbewusstheit legt sich wie eine Kette um die Gestalt und alle Glieder des Körpers, und in der sich selbstbewussten Person ist nichts von jener Weichheit, die wie ein Fluidum durch jede Lebensäußerung fließen sollte. Das einzige Heilmittel besteht darin, sich selbst zu vergessen und sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine Arbeit und jede unternommene Beschäftigung zu richten.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 7. The Training of the Ego: Self‑Consciousness
...Die beste Art vorzugehen besteht darin, das Leben seinen natürlichen Lauf nehmen zu lassen und sich dabei gleichzeitig das höchste Ideal vor Augen zu halten. Dies schafft den Ausgleich und macht den Weg leicht...
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 8. The Training of the Ego: Humility
...Es gibt zwei wesentliche Pflichten für den Menschen, der in Liebe und Weisheit leben will: die Liebe in unserem Wesen ständig zunehmen und sich ausbreiten lassen und den Willen so zu stärken. dass das Herz nicht so leicht brechen möge. Ausgeglichenheit ist das Ideal im Leben. Der Mensch muss feinfühlig und doch stark sein, liebevoll und doch kraftvoll.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha II, 9. The Training of the Ego: Forgiveness
...Neben allen anderen Nachteilen, die die Selbst‑Bewusstheit mit sich bringt, gibt es darüber hinaus einen, der den Menschen davon abhält zu erkennen, dass der Gedanke an das Selbst ihn von Gott fernhält. Im menschlichen Herzen ist nur für einen Raum, entweder für sich selbst oder für Gott.
Quelle
Hazrat Inayat Khan ‑ Volume XIII ‑ The Gathas, Part V, Saluk: Morals,
Gatha I, 8. The Training of the Ego: Vanity
Und dann gibt es diesen Kern in uns, in dem wir tatsächlich ruhen, im Herzen zentriert, ohne Furcht, bereit allem zu begegnen, was das Leben uns bringt; zufrieden und zufriedenstellend, zu unserer Quelle zurückkehrend, präsent im Inneren des Gartens.
Quelle
Pir Zia Inayat Khan ‑ Suluk Academy, Gulab Class 2009
